Mittwoch, 6. August 2014

Ebola: Von der Fiktion zur Wirklichkeit

Ebola-Virus © Public Domain
Ich stehe vor dem DVD-Regal. Zusammen mit meiner Frau möchte ich den Film „Outbreak” von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1995 ansehen. In diesem Thriller mit Dustin Hoffman und Rene Russo in den Hauptrollen, gelangt ein tödlicher Stamm des Ebola-Virus von Afrika durch einen Affen in die USA. Der Affe infiziert in einer Tierhandlung den Besitzer des Ladens. Das Blut des Tierladenbesitzers wird in einem Labor untersucht. Während der Untersuchung infiziert sich ein Laborant durch Unachtsamkeit mit dem Virus und überträgt es bei einem Kinobesuch in der amerikanischen Kleinstadt Cedar Creek auf andere Menschen.

Unterdessen mutiert das Virus. War es vorher nur durch den Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten der Infizierten übertragbar, so fliegt es nun durch die Luft und kann durch Einatmen in den menschlichen Körper gelangen. Binnen weniger Stunden verbreitet sich das Virus in Cedar Creek. Das Militär rückt aus und riegelt die Stadt ab. Es kommt zu Dutzenden Todesfällen. Die Lage gerät außer Kontrolle. Das Militär schickt einen Bomber, um die Kleinstadt einzuäschern. Gelingt es Colonel Sam Daniels, ein Serum auf der Basis des Affenblutes zu finden, das die Menschen vor dem sicheren Tod durch die Bombe des Militärs retten könnte?

Was so klingt, als ob es nur der Phantasie eines Stephen King entspringen kann, wurde in den letzten Wochen in Westafrika auf erschreckende Weise real. Seit Februar 2014 griff der Ausbruch des Ebola-Virus in Guinea auf die Länder Sierra Leone, Liberia und auch Nigeria über. Auch der Kongo ist nun betroffen, wenngleich hier ein anderer Ebola-Stamm wütet. Mehr als 4000 Menschen starben bisher, viele tausende werden dem Virus noch zum Opfer fallen. Ebola gehört, wie das Marburg-Virus, zu den „hämorrhagischen” Blutungsfiebern: das Virus löst im Körper der Infizierten zunächst grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, im fortgeschrittenen Stadium Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus, um dann schließlich im Endstadium die Organe zu zersetzen, so dass die Patienten aus allen Körperöffnungen bluten und blutige Ausscheidungen abgeben. Ebola-Patienten sterben an sehr schmerzhaften Blutungen im Magen-Darmtrakt und in den Lungen.

Abgesehen von einem experimentellen Serum, das sich noch in der Testphase befindet, gibt es keinen Impfstoff gegen das Ebola-Virus, das nach dem Fluss Ebola im afrikanischen Staat Kongo benannt ist, wo es erstmals im Jahr 1976 auftrat. Gesundheitsexperten der WHO spielen die Gefahr herunter, denn die Infektion geschieht in den betroffenen Ländern meistens nur über den Kontakt der unaufgeklärten Einheimischen mit den Körperflüssigkeiten der Ebola-Toten. Die Inkubationszeit schwankt von 2 bis zu 21 Tagen. Der Ursprung des Virus ist noch immer ungeklärt. Vielleicht sind Affen die Wirte, vielleicht Fledermäuse.

Inzwischen hat sich der Ebola-Ausbruch in Afrika zu einer Pandemie entwickelt. Doch die Infizierten stürben so schnell, dass das Virus sich auf Afrika beschränken wird, so die Argumentation der WHO Experten. Darüber hinaus seien die Sicherheitsvorkehrungen in den USA und Europa zu strikt, als dass Ebola in den Industrieländern ausbrechen und außer Kontrolle geraten könnte. Aber das sind nur Mutmaßungen, ein Versuch, die wachsende Beunruhigung einzudämmen. Es könnte zu Umständen kommen, die nicht vorhersehbar sind. So war es bei der „spanischen Grippe” in den Jahren 1918 bis 1920, an der auch meine Urgroßmutter und 50 Millionen weitere Menschen starben. Zwar ist der Infektionsweg von Ebola nicht so direkt wie bei einer Grippe. Doch ist die Inkubationszeit lang genug, damit Infizierte mit Ebola „hausieren” gehen könnten. Wie wirkungsvoll die Schmierinfektion ist, zeigt die allwinterliche Magendarm-Grippewelle durch das Noro-Virus.

Meine Hand verharrt vor der „Outbreak”-DVD. Wir finden die Idee, den Streifen anzusehen, plötzlich doch nicht mehr so prickelnd. „Outbreak” ist uns angesichts der gegenwärtigen Lage in Afrika und der drohenden Gefahr eines Ausbruchs in Europa und den USA doch zu unheimlich. Stattdessen rege ich an, einen anderen Film zu sehen.
Meine Frau schlägt „Das Ding” von John Carpenter vor. Ich stimme begeistert zu. Darin geht es nun wirklich nur um einen außerirdischen Parasiten, der nach hunderttausend Jahren aus dem ewigen Eis der Antarktis freigesetzt wird und die Besatzung einer Antarktisstation auf grauenvolle Weise dezimiert.

Keine Angst. Die Story von „Das Ding” ist nur Fiktion. Ist es doch – oder?

© Daniel Gerritzen

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